Handbike mit und ohne Hund

Das schöne Aprilwetter lockt mich und meinen Hund ins Freie. Das Handbike und der Rolli, mehrere Monate zu einem Schattendasein in der Garage gezwungen, werden startklar gemacht und es geht raus in die gerade erblühende Natur. Ist echt cool, nach den langen Wintermonaten wieder ohne Jacke und trocken die ersten km abzuspulen.

Früh morgens mache ich die Runde mit dem Hund. Da dieser schon über 6 Jahre alt ist, gehen wir beide es gemütlich an. Das sieht dann in etwa so aus.

mit Hund

 

Nachdem ich zu Hause wieder eine Stunde an der Beatmungsmaschine getankt habe, den Hund gefüttert und mein Mittag gegessen habe, nachdem ich meine mails gecheckt und einen Schwatz mit der Schwiegermutti und einen Chat mit Kind 2 gehalten habe, entschließe ich mich, allein loszufahren. Ohne Hund. Weil, der hält seinen Mittagsschlaf.

Und das sieht dann so aus:

ohne Hund

Damit habe ich fast 20 km geschafft und bin damit sehr zufrieden. Da hat sich das winterliche Training auf dem Motomed richtig gelohnt.

Die Aufnahmen habe ich mit der HandyApp (Android) BikeComputer gemacht. Die App habe ich entdeckt, als ich gezielt auf der Suche nach so etwas war.

Vorteile: ohne Pro=kostenlos, offline nutzbar, nachdem man sich die entsprechende Karte heruntergeladen hat.

BikeComputer

Quelle Bild : http://bikecomputer.roproducts.de

Es gibt so viele nützliche Apps im Dschungel der vielen Apps.

Auf der WebSite: https://planet-fahrrad.de/besten-fahrrad-apps/

sind einge gute Apps erläutert und super dargestellt.

 

 

 

 

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Was hat Disziplin mit bunten Strümpfen zu tun?

Nach einem Motorradunfall in meinen stürmischen wilden Jahren hatte ich mir das Venensystem im linken Oberschenkel ramponiert. In meinen Dreißigern entzündete sich diese Aussackung im Oberschenkel und ,wahrscheinlich auch eine Folge der MG, auch das andere Bein hatte keine richtige Venentätigkeit. Danach wurden mir beide Venenklappen an den Beinen entfernt, die kaputten Venen gezogen und die Vene mit Ausbeulung aus dem linken Oberschenkel gezogen.

Mit zunehmender Immobilität und längerem Sitzen im Rolli bekam ich dicke Beine und Füße. Das Anziehen von Schuhen gelang gar nicht mehr und die Schwellungen schmerzten sehr.

Das war der Beginn einer äußerst gelungenen Therapie. Ich bekam Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfe verschrieben. Am Anfang zweimal in der Woche, als es sich besserte, bis heute, einmal in der Woche. Meine Therapeutin leidet selbst an dieser Erkrankung und kannte sich verdammt gut damit aus. Sie empfahl mir sofort, anstatt die gängigen Rundstrickstrümpfe zu probieren, die Flachstrickstrümpfe zu nehmen.

Die Flachstrickart erlaubt es, einen gleichmäßigen Ruhe- und Belastungsdruck auf das betroffene Gewebe auszuüben. Sie sind immer maßangefertigt und in wunderbar bunten Farben erhältlich. Das hautfarbene oder schwarze ist eher nicht so mein Ding.

Man braucht ein gutes Sanitätshaus, das gut anpasst. Am besten morgens und nach der Lymphdrainage. Jedes Bein einzeln. Ich habe den vollen Fuß gewählt. Es gibt einen Haftrand, der das lästige Herunterrollen der Strümpfe verhindert. Und diese Strickart gewährt die Möglichkeit, im Fußknick etwas einzustricken und damit das Kneipen im Gelenk zu verhindern.

Strümpfe

Es gibt drei Kompressionsstärken und erst nach zwei Jahren habe ich die stärkste Klasse erreicht. Aller Anfang ist schwer und die ersten Wochen konnte ich die „Dinger“ kaum fünf Stunden ertragen. Der Druck auf die noch gefüllten Beine war enorm.

Meine Therapeutin erklärte mir die Kompressionstherapie. Diese erhöht den Druck im Gewebe und

  • verbessert die Funktion der Klappen und der Strömungsverhältnisse in Lymphgefäßen und Venen.
  • aktiviert die Muskel- und Gelenkpumpe. Das ist zur Verbesserung des venösen und des lymphatischen Abfluss entgegen der Schwerkraft notwendig.
  • verringert den Abstand der Blutgefäßen zu den Zellen. Das bewirkt eine bessere Versorgung mit lebenswichtigen Stoffen und sorgt dafür, dass die Zellen von den Abfallprodukten befreit werden.
  • verteilt das Ödem über eine größere Fläche. Dadurch ist es möglich, wesentlich mehr Blut- und Lymphgefäße am Abtransport der Flüssigkeit zu beteiligen
  • regt den Massageeffekt an der Oberfläche des Kompressions-Gestrickes an und damit die Mikrozirkulation. Das intensiviert den Stoffaustausch der einzelnen Körperzellen.

Klar stellte ich die Frage: Wann muss die Kompression getragen werden?

Die Antwort lautet ganz einfach: Außer nachts immer!

Ach du Sch….! Diese Strümpfe nun immer tragen?

Drei Dinge bedarf es, um das auszuhalten.

  1. Ein hoher Leidensdruck und Schmerzen
  2. eiserne Disziplin
  3. Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit

Nun stelle man sich vor, dass unter der generalisierten MG die Kräfte in Händen, Fingern und Armen enorm gering sind. Also benötigt man Unterstützung beim Anziehen und auch Ausziehen. Dabei hilft mir mein Mann. Wichtig ist es, die „Dinger“ noch im Liegen anzuziehen, bevor das Blut in die Beine versackt. Und wirklich jeden Tag.

Schnell bemerkte ich den positiven Effekt, die Beine wurden schmaler und die Füße auch. Ich passte wieder in die Schuhe und die Schmerzen ließen nach. Ein angenehmer Nebeneffekt war , dass ich mit diesen Strümpfen viel stabiler und sicherer auf den Beinen stehe. Ich habe dies Strümpfe in Mint, Tiefrot, Dunkelblau, Lachsfarben, Hellgrün.

Farben

In der Rehaklinik halfen mir die Schwestern beim An- und Ausziehen und waren immer wieder hellauf begeistert, dass ich die Strümpfe mit den schönen Rändern in den verschiedenen Farben hatte. Viele kannten nur die weißen, hautfarbenen oder schwarzen und wussten gar nicht, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Mit diesen erhöht sich auch die Akzeptanz einer solchen Therapie, finde ich.

 

 

 

Notfallarmband

Wie oft habe ich neben meinem Mann im Auto gesessen und irgendein Wahnsinniger hatte vor, uns den Weg abzuschneiden, riskante Überholmanöver zu fahren, unseren Sicherheitsabstand für sich auszunutzen usw. Wie oft habe ich auf dem Beifahrersitz gesessen und gehofft, dass wir nicht in einen Unfall hineingezogen werden.

Oder, wenn ich im Handbike allein in der Landschaft umher fahre und dort vielleicht mal verunfalle?

Und wie immer habe ich mir dann Gedanken darüber gemacht, was in einem solchen Falle wohl mit mir passieren würde. Wie, wenn ich nicht ansprechbar wäre, den Sanitätern oder Ersthelfern sagen, dass soviel zu beachten ist, damit ich nicht durch wohlgemeinte Hilfe mein Leben lasse?

Ob das die Medikamentenunverträglichkeit in so vielen Dingen sind, ob das die Beatmung und den seltene Modus VAC betrifft, ob das die Besonderheiten bei der Anästhesie oder aber der Shunt am rechten Unterarm ist. Woher sollen die eventuellen Helfer wissen, was mit mir los ist? Wenn man den Shunt nicht sieht, gar nicht weiß, dass er da ist, legt man vielleicht die Blutdruckmanschette an diesen Arm und legt vielleicht einen Zugang. Beides ist am Shuntarm kontraproduktiv und könnte den Shunt zerstören.

Myasthenia Gravis ist eine seltene Erkrankung und nicht sichtbar.

Meine ersten Gedanken waren eine Tätowierung, aber da ich immunsuppremiert bin, habe ich das immer wieder verworfen.

Nun habe ich mir dieses Armband machen lassen, zusätzlich noch mit der Telefonnummer meines Mannes. Und gestern ist es gekommen.

Für mich in meiner Situation eine Super-Lösung und ein kleines Helferlein mehr, welches mir manche Sorgen von den Schultern nimmt.

Djuva Notfallband

Bestellbar unter: https://djuva.de/id-armbaender

60 bpm – oder wie frau im Winter fit bleibt

Der Winter macht mir das Handbiken schwer. Einmal sind es die kühlen Temperaturen, die mich regelrecht erstarren lassen, Beweglichkeit sieht anders aus.

Und das andere Mal ist es die feuchte kalte Luft, welche ich meide, um die sehr empfindliche Lunge zu schonen.

Was also tun, um die Muskeln fit zu halten für den Tag, an dem die Sonne scheint, die Wege trocken sind und die Temperaturen über 12 Grad Celsius klettern?

In der Reha habe ich gelernt, dass Ausdauertraining wenigstens für die Arme super ist. Ich schaffe 30 Minuten und muss immer sehr aufpassen, dass ich das Tempo nicht über 60 beats per minutes (bpm) ziehe. Ich bin oft bei 90. Also habe ich nach einer guten Methode gesucht, die Motivation ist, täglich zu trainieren und die mich in den bpm diszipliniert.

Bei YouTube habe ich folgendes Video gefunden:

Mit dem Tablet auf dem Motomed, die Lautstärke auf „Volle Pulle“ und das Training macht in den Wintermonaten wieder Spaß. Zumal es im Linksverkehr durch Good Old England geht. Ein weiterer sehr angenehmer Nebeneffekt ist, dass sich mein Taktgefühl stärkt. Das ist dann wieder wichtig, wenn es zum Rolli-Tanz-Training geht.

Und das sieht dann so aus:

DSC_0006

Also die Beine werden vom Motor 30 Minuten bewegt. Nur die Arme müssen aus eigener Kraft wirbeln.

Immer mal kommt mein „Bello“ vorbei, schaut mir interessiert zu, denkt sich seinen Teil über sein verrücktes Frauchen und legt sich wieder aufs Ohr.

 

„Beam me up, Scotty!“

Die Überschrift hätte alternativ auch heißen können:

“ 500 Watt statt 180 PS“

Ich wurde im Jahr 2014 in einem Trage-Berge-Tuch von vier Pflegern aus meinem Haus in den Krankenwagen gehievt. In einer Akut-Situation konnte ich die Treppe nicht bewältigen. Dieses Erlebnis hatte sich tief in mein Bewusstsein gebrannt. In hilflosen Situationen war ich schon sehr oft, aber nicht in einer solchen entwürdigenden.

Seitdem brennt in mir der Wunsch, diese Situation für mich zu entschärfen. Die Vertreter von Treppenliften gaben sich die Klinke in die Hand. Nur hatten die kein schlüssiges Konzept für meine Wohnsituation. Der Treppenlift hätte immer eine Tür, egal ob Hauseingangstür, Wohnungstür der Oma oder aber meine eigene Wohnstubentür zugestellt.

Also verwarfen mein Mann und ich diese Variante gänzlich.

Wir entschieden uns für eine baulich andere Variante, schufen einen neuen Zugang zu unserer Wohnung und eine Firma mit Sitz in Bautzen „BeMobil“ machte uns ein tolles Angebot. Begonnen hat alles im August. Ich stellte einen Antrag an meine Krankenkasse und bat um finanzielle Unterstützung. Diese wurde mir dann auch gewährt. Problemlos. Soviel Trouble ich auch mit meiner KK hatte bezüglich einer Reha, an diesem Punkt zog sie mit mir an einem Strang.

Von den zahlreichen Angeboten, die ich von Liftherstellern hatte, war die Firma BeMobil die einzige Firma, die auch eine Finanzierung angeboten hat. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern war Klasse, egal ob per Mail, per Telefon oder vor Ort.

Anfang Dezember war dann alles geklärt und der Bau begann. Am schwierigsten war es, die vormontierten Bauteile unsere hügelige Auffahrt hinauf zu bekommen. Mit einer Seilwinde wurden die bis zu 750 kg schweren Teile manuell die Auffahrt hinauf gezogen. Der zuvor mitgebrachte Gabelstapler versagte kläglich, blieb in der nassen schweren Erde stecken.

 

Und mein Bello war den vielen fremden Männern auch nicht wohlgesinnt. Die eineinhalb Tage Bauzeit waren Stress pur, ich war völlig kaputt. Obwohl ich nur im Rolli zusah. Und was Stress mit uns „Schneeflocken“ macht, ist den MG lern unter uns ja bekannt.

Aber um so schöner war dann das Ergebnis.

 

Ich machte in meiner Familie eine Umfrage, wie wir das neue Familienmitglied wohl nennen wollen. Im Rennen waren Yoda und Scotty.

And the winner is: Scotty. 🙂 Der bringt mich nun mit 500 Watt sicher hoch und runter.

Ich kann leider selber kein Auto mehr fahren, also Null PS, aber 500 Watt! 🙂

 

 

 

 

 

 

Auf Wiedersehen 2017!

Erschrocken stelle ich fest, seit August kein Eintrag in diesem Blog! Wow, was ist passiert?

Nix ist passiert, das Jahr war ein Durchwachsenes, begann im Januar mit einer schweren Grippe, die mich bis März atemlos machte. Der späte Wintereinbruch und die Kälte im April verschob die Handbikesaison einen Monat nach hinten. Die war dann nur von kurzer Dauer, da die Einfahrt und/oder Ausfahrt aufgrund von Baumaßnahmen aufgebuddelt werden musste. Mein Mann verlegte Strom bis ans Außentor und wir haben nun ein Eingangstor, dass ich mit der Fernbedienung öffnen und schließen kann. Eine Megaerleichterung beim Handbiken und wenn es klingelt. Ich kann nun vom Fenster aus dem ersten Stock aus das Tor öffnen.

Dann konnte ich doch zur Reha fahren, nach 2010 wieder einmal. Fuhr nach MeckPom im Juli, hatte mein Handbike dabei, aber der Sommer verwöhnte die Nordlichter nicht. Also viermal bin ich geradelt in drei Wochen, ansonsten kalt und Regen. Einfach nicht nett.

Aber ich war erholt, habe gute Gespräche geführt, Körbe geflochten, Menschen kennengelernt, gelacht und gesungen. Meine Lunge fühlte sich richtig wohl im Mikroklima kurz vor der Ostsee. Ein paar Stunden hatte ich dann auch die Gelegenheit, mein geliebtes Meer zu sehen. Auch dort blieb ich nicht von heftigen Gewittergüssen verschont.

Zu Hause angekommen, genoss ich den August, der in Sachsen sehr warm war, feierten wir mit Freunden den Sommer. Im September nahmen mein Mann und ich den nächsten Schritt in Angriff und planten den Außenaufzug.

Als alles in Sack und Tüten war, auch die Beteiligung der Krankenkasse, wurde ich im November wieder heftig von einer Grippe ereilt. Dieses mal nicht so heftig wie im Januar, aber schon hart an der Grenze. der Husten und das Fieber ließen mich nicht schlafen. Als das ausgestanden war, meine Kondition besser wurde, kamen die Bauarbeiten Anfang Dezember, die Zimmerleute machten aus einem Fenster eine breite Tür und die Aufzugsleute klöppelten uns einen Außenaufzug, der nun die 2,45 Meter zu meiner Wohnung überwindet. mit all den kleinen „Fitzelarbeiten“ waren wir am 10. Dezember fertig und realisierten, dass nur noch zwei Wochen bis Heilig Abend sind.

So sehr ich mich über den Aufzug freute, so kaputt war ich. Der Stress, auch wenn er positiver Natur war, hinterließ seine Spuren. Die Myasthenia Gravis kann gar nicht gut mit Stress.

Sohnemann besuchte uns zu Weihnachten und wir fuhren alle gemeinsam am ersten Weihnachtsfeiertag zum Brunch nach Berlin zum anderen Teil der Familie. Anschließend wollten wir gemeinsam in die Berliner Oper zum Ballett „Der Nussknacker“ gehen. Naja, es passte zum Jahr 2017, dass uns das nicht gelingen sollte.

Die Sprinkleranlage hatte die Bühne der Oper am Heilig Abend unter Wasser gesetzt und die Aufführungen fanden nicht statt. Also dehnten wir unseren Brunch aus, schnatterten laut und heftig und hatten mehr Zeit füreinander.

Die Kinder blieben in Berlin, während mein Mann und ich wieder nach Hause fuhren. Eben mal so von Sachsen nach Berlin zum Brunch, hej, das kann und macht nicht jeder!

Und nun ist der letzte Tag des Jahres 2017 gekommen, das kleine Kind mit Mann ist aus Berlin zu uns gekommen. Wir werden dieses Jahr in Ruhe ausklingen lassen und das Neue Jahr auf uns zukommen lassen.

Danke allen Verwandten, Freunden und Bekannten, die mit mir und meiner Familie durch dieses Jahr gegangen sind.

Ich wünsche Euch vor allem Gesundheit und die Energie, Eure Pläne in die Tat umsetzen zu können.

 

 

 

Myasthenia gravis und das Gefühl von Freiheit

WordPress erinnert mich heute daran, dass ich seit 8 Jahren diesen Blog betreibe und wünscht mir weiterhin viel Spaß am Bloggen.

Das ist der Moment, an dem mir auch auffällt, dass ich nun schon 9 Jahre mit der Diagnose Myasthenia gravis lebe. Ist eine verdammt lange Zeit und vieles hat sich verändert, vor allem wohl auch ich mich.

Hätte ich mir vor vielen Jahren vorstellen können, dass ich in einem Rolli mit e-Antrieb sitze? Hätte ich mir vorstellen können, damit Rollitanz in einem Verein zu betreiben? Hätte ich so viele tolle Menschen kennengelernt? Hätte ich all die Bordsteinkanten meiner Umgebung im Kopf? Hätte ich geahnt, dass ich mit einem Handbike die Gegend unsicher machen werde? Hätte ich geglaubt, dass ich dabei sogar meinen Hund mitnehmen werden kann?

 

 

 

 

Mich interessiert sehr, wer von den im Rolli sitzenden Myasthenikern auch ein Handbike nutzt und welche Erfahrungen er/sie damit gemacht hat.

Sitze ich im Handbike, dann fühle ich mich frei. Ich kann selbst entscheiden, wohin ich fahre, wie lange ich on tour gehe, in welcher Geschwindigkeit und ich genieße es, wenn der Fahrtwind unterm Helm durchrauscht. Die längste Tour bin ich voriges Jahr gefahren in Begleitung meines Mannes auf dem Fläming Skate-Radweg, ca. 40 km. Das kann ich nicht jeden Tag wiederholen. Ich habe keinen gefederten Rolli, das bedeutet, jede Unebenheit überträgt sich auf den Rücken 1:1. Und der ist, wie die Beine auch, eine Schwachstelle. Also muss ich bei jeder Tour sehr aufmerksam fahren, um Erschütterungen zu vermeiden.

Die größte Schwierigkeit am Anfang war es, das Handbike an den mit der dazugehörigen Kupplung versehenen Rolli selbst anzukuppeln. Dazu benötige ich viel Kraft und die fehlt mir ab und zu. Ich fahre hauptsächlich in den frühen Morgenstunden, da gelingt mir das ganz gut. Denn nur das Ankuppeln wäre ja noch einfach, aber dann muss ich mich auch noch ausheben, damit der Ständer des Handbikes und die kleinen Laufräder des Rollis in der Luft sind und bei der Fahrt kein Hindernis darstellen.

Ich bin so froh, dass die Arme nicht betroffen sind und ich diese Fortbewegungsart genießen kann. Möglich sind dadurch Besuche bei der Hausärztin, in der Apotheke, auf der Post und kleine Besorgungen in der Bäckerei, Fleischerei und im örtlichen Supermarkt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich andere Speedyfahrer aus unserem MG-Verein melden. Vielleicht kann man ja einmal  im Jahr eine gemeinsam Ausfahrt an schönen Flecken in Deutschland organisieren? Mein größter Traum ist es, wenn sich unter uns ein paar positiv Verrückte finden, die gemeinsam dem Winter in Spanien/Portugal am Meer trotzen und dort die Wege abradeln.

 

Myasthenia gravis und Zahnarzt

Nachdem die Reha mich auf Vordermann gebracht hat, begannen am Samstag heftige Zahnschmerzen. Bis Montag war mir klar, der Backenzahn ist nicht mehr zu retten. Inständig flehte ich zu allen Mächten, dass mein Zahnarzt keinen Urlaub macht. Und ich hatte Glück. Gestern war der Termin und der Backenzahn wurde gezogen. Ich hatte vorsorglich schon zweimal Paracetomol 500 genommen.

Dabei hatte ich: meinen Mann, meinen Rolli, mein Atemgerät und den Leitfaden der DMG. Vorab hatte ich meinem Arzt per mail ein paar Seiten der zu vermeidenden Medis zugesandt. Er entschied sich fur eine mini Anästhesie in den Oberkiefer am Rand zum Zahn. Es war aushaltbar. Der neue Praxisstuhl hatte eine sehr stabile Armlehne, mit der linken Hand konnte ich mich dort festhalten. Die rechte Hand klemmte ich unter den Po. Unterm Kopf hatte ich ein Kopfkissen, die Schwester fixierte meinen Kopf und meine Atemmaschine stand einsatzbereit neben mir. Das eigentliche Zahn ziehen ging schnell. Genauso schnell ließ die Anästhesie nach und die Schmerzen waren nicht von schlechten Eltern. Oi joi joi. Ich saß noch ca. eine halbe Stunde mit Schnuffi und hatte wacklige Beine. Und der Kopf konnte sich schlecht halten. Aber ich habe es nach Hause geschafft. Gekühlt habe ich mit einem Waschlappen und kaltem Wasser. Ich weiß, dass ich Kühlakkus nicht vertrage. Nach einer suboptimalen Nacht waren die Schmerzen weg, ich habe mich mit Kamillentee und Babynahrung über den Tag gerettet. Ich konnte schon Kaffee trinken, mit einer weichen Zahnbürste putzen und habe mit Chlorhexamed gespült.

Das MTX lasse ich nach Absprache mit meiner Neurologin am Samstag weg, damit die Wunde heilen kann. Ich kann nur hoffen, dass alles gut geht und die MG nicht rachsüchtig wird. Drückt mir die Daumen.

Reha geht zu Ende

In nicht einmal 24 Stunden werde ich in unserem Caddy neben meinem Mann sitzen und nach Hause fahren.

Das Therapieheft ist ausgefüllt, unterschrieben und abgegeben. Die Arztbriefe habe ich in Empfang genommen und das Therapiezubehör (Laken, Badehandtuch und Sporthandtuch) zurückgegeben.

Ich liege auf dem Bett, die Atemmaschine läuft in gleichmäßigem Rythmus. Was haben mir die drei Wochen gebracht? Ich lasse alles Revue passieren und ziehe folgendes Fazit.

Die labortechnischen Untersuchungen haben ergeben, dass die Lunge nicht von Keimen/Bakterien besiedelt ist. Puhhh… bin ich froh, nach der Lungenentzündung Anfang des Jahres war das Ergebnis nicht so zu erwarten. Der Blutdruck ist im Normbereich und es sind keine Entzündungswerte im Blut festgestellt. Na besser konnte es nicht sein. Zusätzlich noch ein super gutes EKG.

Die Ernährungsberatung hier hat mir viele wertvolle Tipps gegeben. Das hat dazu geführt, dass ich in den drei Wochen vier kg abgenommen habe. Auch das hatte ich bei der Abschlussmessung gar nicht erwartet.

Die Einzel- und Gruppentherapien haben dazu beigetragen, dass ich aktiver auf meine Haltung im Rolli achte, dass die Rückenmuskulatur gestärkt und die gesamte Oberkörpermuskulatur gekräftigt wurde. Zusammen mit der weichen unbelasteten Luft hier oben in Mecklenburg-Vorpommern macht es mir das Atmen leichter.

Nicht zuletzt wurde mein Wunsch war, einmal an die Ostsee zu fahren.

Einzig schlecht waren hier oben nur die Temperaturen, kaum mal über 20 Grad Celsius und der ewige Regen. Vier Tage schönes Wetter hatten wir auch mal, aber immer an den Tagen, die bis zum Abendbrot voll gefüllt waren mit Therapiestunden.

Ich bin vielen Menschen begegnet, habe von vielen Schicksalen erfahren. Manche tragen dies mit Würde und erhobenen Hauptes. Einige sind unzufrieden, unglücklich, verbittert und ihnen ist oft der Blick verstellt auf das Schöne.

Ich habe die Ruhe in dieser Rehaklinik und die Freundlichkeit des Personals sehr genossen und ich hoffe, dass diese drei Wochen mich gestärkt haben für den kommenden Winter.

 

 

Rehaklinik „Garder See“ – Regen, Regen und kein Ende…..

Na gut, mache ich halt das Beste draus. Schreib ich erst mal schnell den Blog weiter. In der Klinik sind viele neue Gesichter und eine Menge vertraute Gesichter inzwischen abgereist. Der ständige Wechsel, jeden Tag reisen Patienten ab und auch an, macht sich auch in den verschiedenen Gruppen bemerkbar. Ob das die Krankengmnastik oder die Hockergymnastik ist. Immer wieder neue Gesichter und auch immer wieder andere Therapeuten. Langweilig wird das nicht.

Gestern vormittag verwöhnte uns die Julisonne noch etwas mit ihrer Anwesenheit, deshalb gelang es mir, auch mal die Klinik von außen zu fotografieren und das flache Gelände darum. Es ist ein guter Wander-/Radweg um die Klinik angelegt, so ca.1,3 km lang.

Rundweg um die Klinik

Hinter dem Schilf verbirgt sich der See, an den komme ich als Rollifahrerin ganz schlecht ran. Ich bin bis Garden an den Campingplatz geradelt und habe dort den Zugang zum See.

Auf den Rasen kann man liegen, im Liegesessel fletzen, im Gartenstuhl sitzen oder einfach rundherum laufen bzw. fahren. Überall stehen Bänke zum Ausruhen oder Verweilen.

Wer Ruhe sucht oder mag, dazu gesunde Luft, die immer ein wenig nach Kiefernadeln und Sand riecht, zu schätzen weiß, dem wird es hier gut gefallen. Inzwischen habe ich auch gemerkt, dass sich Lohmen im Landkreis befindet, der die wenigsten Radwege hat. Na gut, dann sind es eben wenige km die ich fahre, keine großen Strecken.

Aber nach Dobbertin zum Kloster habe ich es einmal geschafft. Leider war es sehr bewölkt, als ich an dem See ankam. Aber das Orstschild habe ich noch fotografieren könne. 🙂

Rechts nach unten führt die Straße zur Konditorei „Kentzler“, die wirklich gutes, schmackhaftes Eis anbieten.

Mir gefallen die Backsteinhäuser, ich betrachte gern alte Häuser.

Nun beginne ich schon die Tage zu zählen, irgendwie hat mich, sehr unerwartet für mich, das Heimweh gepackt.