Sachsen – Klatsch – Bitte weitersagen!

Langsam, sehr langsam nähere ich mich dem Ende dieses außergewöhnlichen Buches von Cletus Gress. Ein Jahr lang beschäftige ich mich mit seinem Text, bin begeistert, was er über sich und die MG herausfand und wieviel davon wirklich anwendbar ist.

Vieles ähnelt in kleinen Abweichungen meinen eigenen Erfahrungen seit Diagnosestellung 2008. Mir wäre es aber nicht so meisterhaft gelungen, so strukturiert und präzise formulieren zu können. Danke Clete!

Der neue Artikel handelt von Cletes Erfahrungen mit der Meditation.

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Als Autor hat man es leicht

Das Wichtigste auf der Welt – Die Liebe
Wunderbar verknüpft mit Hermann Hesse und der Macht des Schreibens. Danke

literaturfrey

Fünf Regeln für die Liebe

Wenn man einen Menschen liebt, so achtet man auf sein Wohlergehen und nutzt nicht was ihm gefällt, um von ihm geliebt zu werden.
Wenn man einen Menschen liebt so ist man aufrichtig mit ihm, außer man will ihn mit etwas Schönem überraschen.
Wenn man einen Menschen liebt, dann teilt man seine Erfahrungen mit ihm, dort wo sie ihm weiterhelfen.
Wenn man einen Menschen liebt, dann will man mit ihm die Welt entdecken und sie schöner und lebenswerter machen.
Wenn man einen Menschen liebt, dann geht es nicht um Geld, sondern um den Austausch zweier Seelen.

Als Autor hat man es leicht, man muss nur Mensch mit Leser ersetzen, schon hat man die fünf wichtigsten Schreibregeln.

Der Anfang aller Kunst ist die Liebe. Wert und Umfang jeder Kunst werden vor allem durch des Künstlers Fähigkeit zur Liebe bestimmt.
***
Hermann Hesse, Lektüre für Minuten 1, Suhrkamp…

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Sachsen – Klatsch – Bitte weitersagen!

Ich bin noch immer geflasht von der Übersetzung des XIV. Kapitels von Clete.

Mir gibt die Arbeit mit seinem Buch, die Übersetzung und die Reflektion auf mein eigenes Handicap und die Deckungsgleichheit seiner mit meinen Erfahrungen eine Menge Energie.

Und heute Nacht, wieder einmal schlaflos wach liegend, habe ich es so bedauert, diesen Clete nicht persönlich gekannt zu haben. Gern hätte ich ihn fest umarmt und mich für dieses tolle Buch bedankt. Und für die Art, wie er die Dinge imLeben sieht, nimmt und versucht, den anderen Menschen damit zu helfen. Uneigennützig und bedingungslos.

Das Stilmittel, welches er dafür wählt, ist faszinierend. E führt eine Unterhaltung, tief religiös, wie Clete ist, mit Gott und dem Berg Mount St. Helen. Der Berg, der ihm die Gipfelbesteigung verweigerte, der Berg, der ihm im Gespräch deutlich macht, es ist nicht der Gipfel, nein der Weg, der ihm zum Ziel führen wird.

Wie immer, viel Spaß mit diesem außerordentlich anderen Kapitel der Geschichte von Clete.

 

 

Begegnungen

Manchmal beschenkt mich das Leben. Wann? Immer dann, wenn ich kurz und intensiv in die Lebensgeschichte  fremder Menschen eintauche. So wie heute unverhofft in unserer Stadt.

Ich war mit meiner Freundin bei Sonnenschein und eisigem Ostwind unterwegs, wir wollten ein Geschenk für eine  gute, uns beiden sehr nahe stehende Freundin aussuchen und natürlich auch kaufen.

Also, nichts wie hinein in ein Geschäft, welches schon von der Gestaltung der äußeren Fassade freidenkende Menschen und Künstlernaturen magisch anzuziehen scheint.

Bevor wir den kombinierten Uhrensalon, die Töpferstube, das Schmuckdesign-Geschäft und die Galerie betraten, fiel mir eine sehr schmucke alte Dame auf, die trippelnden Schrittes sich genau in unsere Richtung bewegte. Weit voraus leuchteten ihr roter Schal, ihre modische rote Mütze und, natürlich, die rote Handtasche. Dezent dazu, der schwarze Wintermantel.  Sie schlüpfte noch vor uns ins Geschäft und saß schon, mit einem Bürstenhaarschnitt ganz in weiß, auf einem Stuhl in der Ecke und unterhielt sich angeregt mit der Inhaberin. So schnell konnte ich gar nicht schauen, als meine Freundin mir diese Dame als die beste Malerin unseres Kreises vorstellte. Angenehm der Händedruck und ihre wenigen Worte verrieten ihre nicht sächsische Herkunft. Klare Augen, neugierig und warm und voller Güte, ein Gesicht, dass vom Leben zeugte und Leben zeigt. Während meine Freundin das Geschenk heraussuchte, begann ich ein Gespräch mit der alten Dame. Sie ging freudig darauf ein und zwischen uns entfachte sich ein wundervoller Dialog. So wundervoll, dass ich meiner Freundin die wirtschaftlichen Entscheidungen unserer Einkaufstour überließ, den mir freundlich dargereichten Stuhl wahrnahm und mich angeregt unterhielt. Ich war begeistert von meinem Gegenüber. Ich schätze sie gut Mitte achtzig, ein wacher, klarer Blick, sie rollte das R nach fränkischer Art und verrät mir, dass sie in Schwerin geboren und Ende der Dreißiger nach Franken gezogen sei. Nun ist sie mit ihrem Sohn, der in unserer Region Arbeit fand, hierher gezogen, lebt im betreuten Wohnen und findet sich immer in diversen Kunstkreisen, zu denen auch die Inhaberin dieses Geschäftes gehört, ein.

Wir sind beide magisch angezogen von diesem Moment der wundervollen Begegnung und auch jetzt noch, Stunden danach, freue ich mich sehr und es bleiben so viele unausgetauschte Worte.

Ich erinnere mich an einen Text von Anselm Grün, auch von einer lieben Freundin zugeschickt:

Zitatanfang:

Mein Lebenshaus entdecken

“ Nur wenn ich mit mir in Berührung bin, kann ich mit anderen Menschen in Berührung kommen. Ich habe dann keine Angst mehr, dass der andere dann etwas in mir entdecken könnte, was ich vor mir verborgen halte. Wenn ich selbst eingetreten bin in das Haus meines Leibes und meiner Seele, wird es mir auch möglich, den anderen in mein Haus eintreten zu lassen. Ich kann ihm alles zeigen, was in mir ist, weil ich es mir selbst erlaubt habe, dass mein Lebenshaus so aussieht.“

Zitatende

Tiny_house,_Portland

Ich erinnere mich wieder, wie schnell mir die Herzen von Menschen zufliegen, wie schnell ich mit Menschen in Kontakt komme, wie sehr ich Menschen um mich liebe und wie gern ich unter Menschen bin.

Ein Tag, von dem ich noch lange zehren werde!

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

Ihr Lieben da draußen in der Welt,

jeder wird in seinem Leben schon einmal traurig gewesen sein, mag es wegen eines Verlustes eines nahen Menschen oder eines geliebten Haustieres gewesen sein, oder weil in der Familie oder unter Freunden einer ist, der lange leidet.

Aber immer ist an der Stelle auch ein Funken Hoffnung, oder?

Da in diesem meinem Sommer viel Traurigkeit war, suchte ich die Kraft der Hoffnung verstärkter. Bei dieser Suche stieß ich auf dieses wunderbare Märchen für Erwachsene.

Nachzulesen ist es bei:

Inge Wuthe in: Alle Farben dieser Welt

***********************************

Es war einmal eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei deiner zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: „Wer bist du?“ Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. „Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war. „Ach, die Traurigkeit!“ rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

„Du kennst mich?“ fragte die Traurigkeit misstrauisch. „Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“

„Ja, aber…“, argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“

„Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?“

„Ich … ich bin traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.“ Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

„Ach, weißt du“, begann sie zögernd und äußerst verwundert, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest. Die Traurigkeit schluckte schwer. „Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben geht weiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.“

„Oh ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir schon oft begegnet.“ Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. „Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh… Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.

„Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.“

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: „Aber…aber – wer bist eigentlich du?“

„Ich?“ sagte die kleine Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. „Ich bin die Hoffnung!“

 

mountaindreamer

Und hier dank Jane Blond (siehe Kommentar Beitrag vorher) der Text im Original von Oriah the mountaindreamer:

 

The Invitation by Oriah

dreamer

 

 

 

 

 

 

 

It doesn’t interest me
what you do for a living.
I want to know
what you ache for
and if you dare to dream
of meeting your heart’s longing.

It doesn’t interest me
how old you are.
I want to know
if you will risk
looking like a fool
for love
for your dream
for the adventure of being alive.

It doesn’t interest me
what planets are
squaring your moon…
I want to know
if you have touched
the centre of your own sorrow
if you have been opened
by life’s betrayals
or have become shrivelled and closed
from fear of further pain.

I want to know
if you can sit with pain
mine or your own
without moving to hide it
or fade it
or fix it.

I want to know
if you can be with joy
mine or your own
if you can dance with wildness
and let the ecstasy fill you
to the tips of your fingers and toes
without cautioning us
to be careful
to be realistic
to remember the limitations
of being human.

It doesn’t interest me
if the story you are telling me
is true.
I want to know if you can
disappoint another
to be true to yourself.
If you can bear
the accusation of betrayal
and not betray your own soul.
If you can be faithless
and therefore trustworthy.

I want to know if you can see Beauty
even when it is not pretty
every day.
And if you can source your own life
from its presence.

I want to know
if you can live with failure
yours and mine
and still stand at the edge of the lake
and shout to the silver of the full moon,
“Yes.”

It doesn’t interest me
to know where you live
or how much money you have.
I want to know if you can get up
after the night of grief and despair
weary and bruised to the bone
and do what needs to be done
to feed the children.

It doesn’t interest me
who you know
or how you came to be here.
I want to know if you will stand
in the centre of the fire
with me
and not shrink back.

It doesn’t interest me
where or what or with whom
you have studied.
I want to know
what sustains you
from the inside
when all else falls away.

I want to know
if you can be alone
with yourself
and if you truly like
the company you keep
in the empty moments.

 

You could find much more about mountaindreamer:

http://www.oriahmountaindreamer.com/

 

Und hier der Hinweis von auf die deutsche Übersetzung.

http://www.der-innere-weg.de/der-innere-weg/schatztruhe/oriah/

Es interessiert mich nicht – oder doch?

Es interessiert mich nicht, wie Du Deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich will wissen, wonach Du Dich so sehr sehnst, dass es Dir wehtut,
Und ob Du davon zu träumen wagst,
dem zu begegnen, wonach sich Dein Herz verzehrt.
Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich will wissen, ob Du es riskierst, für Deine Liebe als Narr dazustehen,
für Deine Träume und das Abenteuer zu leben.
Es interessiert mich nicht, wie Deine Sterne stehen.
Ich will wissen, ob Du bis zu Deinem wirklichen Leid vorgedrungen bist,
ob Dich der Verrat des Lebens geöffnet hat oder ob Du Dich zusammengezogen
und verschlossen hast vor Furcht oder weiterem Kummer.
Ich will wissen, ob Du Schmerz aushalten kannst, meinen oder Deinen eigenen,
ohne zu versuchen ihn zu verstecken, verblassen zu lassen oder zu manipulieren.
Ich will wissen, ob Du Freude empfinden kannst, meine oder Deine eigene,
ob Du voller Wildheit tanzen kannst und Dich von den Fingern bis zu den Zehenspitzen
in einen Rausch versenken kannst, ohne zu mahnen, vorsichtig zu sein,
oder realistisch, oder an die Grenzen des Menschseins zu erinnern.
Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen ob Du einen anderen Menschen enttäuschen kannst,
indem Du Dir selber treu bleibst.
Ob Du die Anschuldigung, betrogen zu haben, ertragen kannst und
ob Du nicht Deine eigene Seele betrügst.
Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und damit vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst,
auch wenn sie nicht jeden Tag sichtbar ist.
Und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speist.
Ich will wissen, ob Du mit Versagen leben kannst, Deinem und meinem,
Und trotzdem noch am Ufer des Sees stehen kannst und
dem Silber des Vollmondes „Ja“ zurufen kannst.
Es interessiert mich nicht, wo Du wohnst oder wieviel Geld Du hast.

Ich will wissen, ob Du nach einer Nacht voller Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst,
ausgelaugt und zermatert, und tun kannst, was für die Kinder getan werden muss.
Es interessiert mich nicht, wer Du bist oder wie Du hierher gekommen bist.
Ich will wissen was Dich in Deinem Inneren hält, wenn alles andere wegbricht.
Ich will wissen, ob Du mit Dir alleine sein kannst,
und ob Du die Gesellschaft, die Du in diesen Momenten hast, wahrhaft magst.

Änderung:

Autorin: Oriah Mountain Dreamer

 

Ich finde es einfach nur sehr weise.

9000 Stunden

Mein Beatmungsgerät zeigte mir heute die Zahl 9000.

Ich könnte sagen, na und und den Tag ohne diese Zeilen weiterleben. Wie geschrieben. Könnte. Kann ich aber nicht.

Die Zahl hat ihren Platz in meinem Kopf gefunden, verbindet sich mit vielen Bildern, Erlebnissen.

9000 Stunden Beatmung – was für eine mächtige Zahl! Was hätte ich in diesen 9000 Stunden alles tun können, nicht im Bett liegend mit der Maske auf dem Gesicht und das ständige Pumpen der Maschine wahrnehmend?

9000 Stunden Beatmung – was habe ich stattdessen getan? Wie habe ich diese Zeit genutzt? Wann hatte ich überhaupt die Kraft für die Gedanken, diese Beatmungszeit gewinnbringend für mich umzuwandeln?

Zeitschnecke

9000 Stunden Beatmung – das ist und war Rettung vor der invasiven Beatmung und sicher vor dem schneller werdenden Verlust von Muskelkraft. Das weiß mein Kopf. Mein Bauch grummelt, weil ich diese Zeit am Anfang meiner Beatmungsbiographie überhaupt nicht annehmen wollte und konnte.

9000 Stunden Beatmung – da waren tausende Stunden dabei, die durch nichtfachgerechte Einstellung des Beatmungsmodus‘ die Atemmuskulatur stark beanspruchte, Schmerzen bereitete und mehr Qual denn Segen war.

9000 Stunden Beatmung – darunter waren viele Stunden mit Tränen und Hoffnungslosigkeit, mit Entsetzen und Angst.

9000 Stunden Beatmung – das waren auch viele Stunden mit Entzündungen im Gesicht, weil die Haut dem ständigen Druck der Maske nicht standhielt.

9000 Stunden Beatmung – das sind viele Stunden Wechsel von Flaschen mit sterilem Wasser, von Schlauchsystemen und Filtern.

9000 Stunden Beatmung – haben einige Stunden an Reparatur benötigt, halbjährliche Wartung und ein Monteur in meinem Schlafzimmer. An sich ein Grund zur Freude. An sich. Ist für mich immer heikel, weil ein Eindringen in meine Privatsphäre, so empfinde ich diese jedesmal, nicht verhinderbar ist. Jedesmal denke ich, wenn der Monteurbesuch ansteht – wieder ein Stück Kontrollverlust!

9000 Stunden Beatmung – ich hörte viel Musik, las viele Bücher, sah mir gute und auch schlechte Filme an, starrte schlaflos an die Zimmerdecke oder aus dem Fenster, schmiedete Pläne, ließ auch viele fallen.

Hand Uhr

9000 Stunden Beatmung – das war ein enormer Zugewinn an Lebensqualität! Vergesst, was ich die Zeilen vorher schrieb. Ich fand einen Spezialisten, der den Modus an meine physiologischen Gegebenheiten anpasste, der sich die Mühe machte, die Maske zu verkleinern, so dass ich mit Brille lesen und Filme schauen kann, und sich die geschundene Gesichtshaut erholen konnte.

9000 Stunden Beatmung – ich lernte, diese Zeit als notwendige Zeit der Ruhe, der Regeneration, der Pausen, der Unterbrechung von Tätigkeiten, von Geselligkeiten zu akzeptieren.

9000 Stunden Beatmung – das Maschinchen schaffte es mit mir immerhin zweimal nach Irland und wieder nach Hause.

 

An eine ganz besondere Freundin

(Elli Michler)

Ich wünsch‘ Dir Zeit

nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsch‘ Dir nur

was die meisten nicht haben.

Ich wünsch‘ Dir Zeit.

Dich zu freuen und zu lachen

und wenn Du sie nützt,

kannst Du etwas daraus machen.

  Ich wünsch‘ Dir Zeit

für Dein Tun und Dein Denken

nicht nur für Dich selbst,

sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsch‘ Dir Zeit,

nicht zum Hasten und Rennen,

sondern die Zeit

zum Zufriedensein können.

Ich wünsch‘ Dir Zeit

nicht nur so zum Vertreiben.

Ich wünsche

sie möge Dir übrig bleiben.

Als Zeit für das Staunen

und Zeit für Vertrauen,

anstatt nach der Zeit

auf die Uhr zu schauen.

Ich wünsch‘ Dir Zeit

nach den Sternen zu greifen,

und Zeit, um zu wachsen.

Das heißt um zu reifen.

Ich wünsch‘ Dir Zeit

um zu hoffen, zu lieben,

es hat keinen Sinn

diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsch‘ Dir Zeit

zu Dir selber zu finden.

Jeden Tag, jede Stunde

als Glück zu empfinden.

  Ich wünsch‘ Dir Zeit,

auch, um Schuld zu vergeben.

Ich wünsch‘ Dir Zeit

haben zum Leben.


zeit
Quelle Bild: http://www.wissenschaft-online.de/astrowissen/zeit.html

Selbstzweifel

Lange war diese Aussage von Ernst Ferstl das Leitmotiv in meinem Leben. Heute fiel es mir beim Aufräumen in Form meiner einstigen Visitenkarte wieder in die Hände. Ich weiß nicht, ich habe den ganzen Vormittag darüber gegrübelt, ob ich das heute noch will?

Wenn es mal nicht so klappte, wie ich es mir vorgestellt hatte, das Leben mir seine Knüppel zwischen die Beine warf, nahm ich es mit Gelassenheit. „Na gut, gehst du eben den Umweg, lass dich überraschen, wo dich dieser Weg hinführt, was du kennenlernst, was du Neues siehst, welche Menschen dir da über den Weg laufen.“

Und ich ging dann halt den neuen Weg.

Immer. Und immer mit einer gesunden Portion Neugier.

Heute bin ich an einem Punkt, an dem ich sage: „Will ich das noch? Will ich wirklich noch weiter gehen und kommen, als ich eigentlich gehen wollte?“

Mich überrascht diese persönliche Erkenntnis sehr. Denn, neugierig bin ich schon noch, jedoch fehlt mir die Kraft, jene zweite Hälfte, untrennbar mit meiner Neugier verbunden, um all die Wege gehen zu können, die sich mir im Leben auftaten.