Rehaklinik „Garder See“ – Tag 7

Der Sonntag beginnt so, wie er der Samstag aufgehört hat. Das Wetter wird nicht mein bester Freund.

Ich benötige morgens Hife beim Anziehen der Kompressionstrümpfe. Die Schwester kommt und bietet sich an, mir beim Duschen zu helfen, heute wäre der Tag, wo das möglich sei. Ich bin hocherfreut, dass es die Möglichkeit gibt! Ich bin nicht erfreut darüber, dass ich dies tun soll in der schwächsten Phase meines Tages. Die Retardtabletten geben am Ende der Zeit nicht mehr die notwendige Menge Pyridostigminbromid ab. Diser Wirkstoff gehört zur Substanzgruppe der Cholinesterasehemmer. Wirkstoffe dieser Substanzgruppe hemmen den Abbau von Acetylcholin, einem natürlichen Überträgerstoff von Nervenimpulsen auf die Muskulatur. Dadurch wird die Wirkung von Acetylcholin verstärkt, was eine Aktivierung der Muskulatur sowie eine Leistungsverbesserung im Falle von krankhafter Muskelschwäche bewirkt. Wenn ich in dieser Phase dusche, geht mir für den Vormittag des Tages 100 % ig die Kraft und die Luft aus. Ich kann die Schwester überreden, dies in die Mittagsstunden zu verlegen, in die Hochzeit der Wirkung der Tablette, die ich alle 8 Stunden einnehmen muss. Und ich muss es ihr nicht umständlich erklären, sie nimmt es hin. Auch egal, was sie von mir denkt.

Ich nutze jede Zeit und Kraft die ich habe, um mein Speedy auszuführen, welches einen guten Platz direkt vor meinem Zimmer bekommen hat.

Parkplatz Speedy

Praktisch in der Nähe der Steckdose, so dass ich es ohne große Umstände selber laden kann.

Dreimal bin ich inzwischen „ausgeritten“. Zunehmend haben meine Mitpatienten sich an die verrückte Frau gewöhnt, werden mutig und fragen.

Mein Revier

Die mit kleinen roten Punkten markierten Wege habe ich erkundet. Manchmal bin ich im Sand stecken geblieben, musste mich „freischaufeln“ und umkehren, manchmal konnte ich die Wiesenwege nicht befahren, weil ich keinen gefederten Rolli habe und ich mit meinem Rücken nicht spaßen möchte. Es macht einen Riesenspaß, die Gegend mit dem Speedy zu erkunden, herauszufinden, wo die Hindernisse, wo die hohen Bordsteinkanten sind und wie man ganz nah an die Seen herankommt. Bis jetzt ist mir bei dem bescheidenem Wetter nicht viel gelungen. Aber das wird bestimmt noch.

Sportarmband für Smartphone

Immer, wenn ich mit dem Handbike eine Tour plane, suche ich in meinen Sachen nach einer sicheren Möglichkeit, mein Smartphone unterzubringen. Und zwar so, dass ich schnell Zugriff darauf habe, wenn ich es benötige und so, dass ein plötzlicher Regenguss es nicht beschädigt. Mein Sohn brachte mich nun auf die Idee!

Er nahm an einem 10 km Lauf in Berlin teil und hatte sich ein Sportarmband für sein Handy zugelegt. Clever! So machte ich mich auf die Suche, für mein Z3 auch etwas passendes zu finden.

Habe ich bei amazon, aus dieser Quelle stammt auch das Bildmaterial.

Armband Sony Xperia Z3Armband Sony Xperia Z3 2

 

 

Pendel von Huka

Von einem meiner Lieblingsmenschen bin ich auf diese Art, sich cool und flott fortzubewegen, aufmerksam gemacht worden. Danke an Susann.:-)

Immer wieder bin ich erstaunt, wie kreativ die Menschen sind, das Leben mit und im Rolli angenehm und sinnvoll zu gestalten.

Der Preis ist enorm, gebraucht schon über 5000 €. Aber ich denke darüber nach, eisern zu sparen, um so ein Teil zu erwerben. Damit kann ich dann vielleicht mein Fernweh befriedigen und ich bin mobiler.

Gestöbert habe ich auf der niederländischen Seite:

http://roll-on.nl/gebruikt/specials/pendel-rolstoelscooter/productdetail/huka-pendel-fd/302

 

Nachtrag zum Tonic :-)

Auf der mit viel Wissen und Erfahrung gestalteten WebSite:

http://www.myasthenia-gravis.de/was-vermeiden

gibt es eine Seite, auf der übersichtlich alles aufgelistet ist, was Myastheniker unbedingt meiden sollten, damit die Erkrankung nicht die Oberhand gewinnt und man/frau einigermaßen beschwerdefrei durchs Leben kommen. Beschwerdefrei ist vielleicht untertrieben, oft komme ich in die Nähe einer myasthenen Krise, wenn ich auch nur ein Teilchen dieser Liste versehentlich, gewollt oder nicht beeinflussbar missachte.

Ich werde die wohl doch mal ausdrucken und so anbringen in meiner Wohnung, dass ich die Punkte nicht aus den Augen verliere. (Aber das ist so viel! 😦 )

 

MTX – 18 Monate lang

Schon lange habe ich vor, diesen Artikel zu schreiben, nun habe ich die Kraft und auch die notwendige Ruhe dazu.

In vorangegangenen Beiträgen habe ich davon berichtet, wie die Umstellung von Imurek auf MTX gelungen ist.

Nun nehme ich das MTX schon eineinhalb Jahre, und folgende Nebenwirkungen kann ich jede Woche wieder aufs Neue an mir beobachten.

Dosis: 1 x wöchentlich 15 mg, Freitags morgen – 9.00 Uhr

Gegen 12:00 Uhr kommt die Müdigkeit, der Kopf wird schwer, die Augen brennen und ich falle ins Bett. Ich kann mich nur mühsam abends aufraffen um zum Rolli-Tanz zu fahren. Vlt. werde ich die Einnahme auf den Abend verschieben. Hätte ich ja auch mal eher drauf kommen können.

Am Samstag und Sonntag schwingen immer Kopfschmerzen nach dem Aufstehen mit, die sich aber nach einer Tasse Kaffee vom Acker machen. Die Lippen kribbeln, die Mundschleimhaut löst sich in Fetzen, der Husten beginnt stärker zu werden und nach der Einnahme der 10 mg Folsäure am Samstag, 24 Stunden später, fühle ich mich wie von einer Grippewelle überrollt. Ich verbringe fast den ganzen Tag mit sehr wackligen Beinen und müdem, dummen Kopf im Bett, werde leicht depressiv, ungehalten, sehr leicht reizbar und mag es gar nicht, wenn mein Mann mich fragt, wieso ich nicht esse. Mir ist einfach nur schlecht. Doppelbilder und sehr unscharfes Sehen begleitet mich zudem, so dass ich die Zeit im Bett und an der Atemmaske nicht einmal sinnvoll mit Lesen oder DVD sehen verbringen kann.

Ich weiß, dass das ab Montag etwa wieder besser wird, aber dann beginnt oft die Zeit mit der Heiserkeit, versagt die Stimme für ein zwei Stunden komplett. Es klingt, als wäre ich einer Grippe anheim gefallen. Bis Donnerstag ist dann alles fast wieder gut und ich fühle mich einigermaßen für die Stürme da draußen gewappnet, nur damit am nächsten Tag das Spiel wieder von vorn beginnt.

😦

Aber, ich bin fast ein Jahr ohne Plasmapherese ausgekommen, muss kein Cortison nehmen und ich verschlucke mich nicht so oft.

Für all die anderen Zipperlein habe ich gute Helferlein. Den Rolli für die Beine, die Atemmaschine für die Lungenmuskulatur, Freunde fürs Gemüt, den Speedy zur Kräftigung der Oberarmmuskulatur.

Ja – Fazit = Die Blutwerte sind im unteren Normbereich, aber mein Körper scheint das MTX gut anzunehmen ohne Ausfälle.

Ich habe vor ein paar Monaten beschlossen, dass ich kein Auto mehr fahre, was sehr schwer war, einzusehen und auch umzusetzen. Ein erheblicher Einschnitt in die Freiheit. Ich kann mich nicht mehr, wann immer ich es will, in meinen kleinen blauen Ford Ka setzen und meine Ziele anpeilen. Ich verliere immer mehr meine Freiheit und Unabhängigkeit. Ich kann den Verlust nie ganz kompensieren, nur mit „Behelfskrücken“ eine „Pseudo-Unabhängigkeit“ mühsam erkämpfen.

Nun wird er in ein paar Tagen verkauft und darüber bin ich sehr traurig. Machs gut meine zuverlässige kleine hellblaue „Knutschkuller“!

Ford Ka

Warst mir ein treuer Begleiter seit 2005! Nun trennen sich unsere Wege. 😦

 

Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/Ford_KA_front_20080730.jpg

Licht und Schatten

Seit zwei Tagen geht mir ein Spruch, flüchtig im Radio so nebenbei aufgeschnappt, nicht aus dem Kopf. Ich weiß auch nicht, ob ich ihn wortwörtlich richtig wiedergebe, und wer der Urheber ist.

„Die Schatten des Lebens zeugen sicher davon, dass da irgendwo Licht ist.“

Sonnenfinsternis

In diesen Tagen, mit meinem Handbike und der gesundheitlichen Stabilisierung sehr sehr glücklich, habe ich diesen Spruch vom Anfang her gedacht. Es geht aufwärts, du hast den Mist hinter dir. Ich war noch nicht so weit, diesen Spruch auch vom Ende her zu denken.

„Da wo Licht ist, ist auch Schatten.“

Und gestern war so ein Tag, an dem der Spruch von hinten gelesen werden sollte.

Die Sonne tat endlich mal wieder das, wofür sie im August eigentlich gebucht ist. Sie strahlte vom Himmel. Und eine sehr gute Freundin rief an, fragte nach mir und meinem Handbike, sie komme gleich mit dem Fahrrad vorbei und dann gehe es auf Tour. Verabredet und getan! Wir radelten durch das Dorf, die bewundernden Blicke nahmen wir beide mit einem stillen Lächeln und manchmal auch mit einem Handgruß an.

Wir fuhren spontan zur Eisdiele, schleckten ein Eis und fuhren gemütlich nach Hause. Insgesamt zeigte mein Bordcomputer 😉 7 km an. Ich war ausgepumpt, war glücklich, genoss die Sonne, den Wind in den Haaren und die neu gewonnene Freiheit und Selbständigkeit.

Handbike-Gang

Keine Kopfschmerzen, an der frischen Luft, mit einer Freundin gemeinsam, die Sonne lacht, spontan ein Eis genießend,  und ich dachte, ich bin doch ein sehr reich beschenkter, sehr glücklicher Mensch!

Am Abend dann waberte so ein Gerücht durchs Dorf. Aus vielen Ecken hörte man: „Hast du schon gehört?, stimmt das denn?, oh wie schrecklich!, der arme Mann!, das arme Kind!, die armen Mädchen!“

Am Tage brachte das Radio stündlich Verkehrsnachrichten. Erst wurde ein Unfall auf der B6 ganz in unserer Nähe gemeldet, die nächste Stunde war es dann schon ein schwerer, danach war von einer Vollsperrung die Rede, wieder etwas später kamen erst ein Hubschrauber, dann zwei dazu, von einem Toten und zwei Schwerverletzten wurde gesprochen. Ich war in Gedanken bei diesen Menschen und ihren Angehörigen.

Es war die Frau eines guten Freundes. Ich erfuhr das am späten Abend, als aus den Gerüchten bittere, traurige Nachricht wurde.

Eine liebe Freundin, der ich von meiner Traurigkeit am Telefon berichte, sorgte sich um mich und meine seelische Verfassung, weiß, dass die MG das gar nicht so mag.

Ich bin berührt von ihrer Sorge und antworte sinngemäß, dass ich die Wahl habe, mich aus der Gesellschaft zurueck zu ziehen. Vorteil: Die MG zieht sich etwas zurück und lässt mich ein wenig in Ruhe. Ich kann aber auch am Leben meiner lieben Menschen teilhaben. Der Preis dafür ist, dass ich weniger gut laufen kann, dass ich öfter an die Beatmung muss.

Beides habe ich ausprobiert, ich weiß, wovon ich spreche! und bin heute an dem Punkt, dass ich lebendig sein will, ein Mensch, der mitfuehlt. Auch, wenn der Preis ein hoher ist.

Ich kenne einige MG-ler, die haben sich für den ersten Weg entschieden, das kann ich auch nachvollziehen. Oft sind mir diese Zeitgenossen depressiv, sehr fordernd und sehr isoliert vorgekommen.

Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, in den hätte gut noch etwas hineingepasst. Aber es gibt auch Tage, wie den gestrigen, da hätte ich gern das letzte Geschehen ungeschehen gemacht und wäre mit dem halben Tag zufrieden gewesen.

😦

Quelle Bild Sonnenfinsternis: Wikipedia

9000 Stunden

Mein Beatmungsgerät zeigte mir heute die Zahl 9000.

Ich könnte sagen, na und und den Tag ohne diese Zeilen weiterleben. Wie geschrieben. Könnte. Kann ich aber nicht.

Die Zahl hat ihren Platz in meinem Kopf gefunden, verbindet sich mit vielen Bildern, Erlebnissen.

9000 Stunden Beatmung – was für eine mächtige Zahl! Was hätte ich in diesen 9000 Stunden alles tun können, nicht im Bett liegend mit der Maske auf dem Gesicht und das ständige Pumpen der Maschine wahrnehmend?

9000 Stunden Beatmung – was habe ich stattdessen getan? Wie habe ich diese Zeit genutzt? Wann hatte ich überhaupt die Kraft für die Gedanken, diese Beatmungszeit gewinnbringend für mich umzuwandeln?

Zeitschnecke

9000 Stunden Beatmung – das ist und war Rettung vor der invasiven Beatmung und sicher vor dem schneller werdenden Verlust von Muskelkraft. Das weiß mein Kopf. Mein Bauch grummelt, weil ich diese Zeit am Anfang meiner Beatmungsbiographie überhaupt nicht annehmen wollte und konnte.

9000 Stunden Beatmung – da waren tausende Stunden dabei, die durch nichtfachgerechte Einstellung des Beatmungsmodus‘ die Atemmuskulatur stark beanspruchte, Schmerzen bereitete und mehr Qual denn Segen war.

9000 Stunden Beatmung – darunter waren viele Stunden mit Tränen und Hoffnungslosigkeit, mit Entsetzen und Angst.

9000 Stunden Beatmung – das waren auch viele Stunden mit Entzündungen im Gesicht, weil die Haut dem ständigen Druck der Maske nicht standhielt.

9000 Stunden Beatmung – das sind viele Stunden Wechsel von Flaschen mit sterilem Wasser, von Schlauchsystemen und Filtern.

9000 Stunden Beatmung – haben einige Stunden an Reparatur benötigt, halbjährliche Wartung und ein Monteur in meinem Schlafzimmer. An sich ein Grund zur Freude. An sich. Ist für mich immer heikel, weil ein Eindringen in meine Privatsphäre, so empfinde ich diese jedesmal, nicht verhinderbar ist. Jedesmal denke ich, wenn der Monteurbesuch ansteht – wieder ein Stück Kontrollverlust!

9000 Stunden Beatmung – ich hörte viel Musik, las viele Bücher, sah mir gute und auch schlechte Filme an, starrte schlaflos an die Zimmerdecke oder aus dem Fenster, schmiedete Pläne, ließ auch viele fallen.

Hand Uhr

9000 Stunden Beatmung – das war ein enormer Zugewinn an Lebensqualität! Vergesst, was ich die Zeilen vorher schrieb. Ich fand einen Spezialisten, der den Modus an meine physiologischen Gegebenheiten anpasste, der sich die Mühe machte, die Maske zu verkleinern, so dass ich mit Brille lesen und Filme schauen kann, und sich die geschundene Gesichtshaut erholen konnte.

9000 Stunden Beatmung – ich lernte, diese Zeit als notwendige Zeit der Ruhe, der Regeneration, der Pausen, der Unterbrechung von Tätigkeiten, von Geselligkeiten zu akzeptieren.

9000 Stunden Beatmung – das Maschinchen schaffte es mit mir immerhin zweimal nach Irland und wieder nach Hause.

 

E-motion Rolli von Alber

Was ich gestern erlebt habe, ist einen Artikel wert.

Mein e- motion-Rolli musste zur Reparatur. Die Fernbedienung sagte keinen Mucks mehr, die Räder ließen sich manuell nicht mehr auf die verschiedenen Gänge schalten, der Rolli lief schwer und ich brauchte enorm Kraft, um mich damit zu bewegen. Außerdem war ein Stützrad rückseitig einfach total verbogen.

Klar muss Technik gewartet werden. Klar ist auch, dass man dazu Geduld benötigt. Soweit einverstanden. Der Monteur kommt, hat aber mit diesem Modell so gar keine Erfahrung. Ich habe das Gefühl, ich könnte diesem Monteur die Schuhe im Schlaf besohlen. Man war das eine Schlaftablette.

Er tauscht den seitlichen Kleiderschutz aus, der auch gebrochen war. Also Schraubendreher kam zum Einsatz, Gehirn konnte noch warten. Das bekam er hin. Ich will nicht behaupten, dass der Herr unfreundlich oder unsympathisch war, eher im Gegenteil Aber unglaublich langsam und nicht fähig, selbständig Entscheidungen zu treffen. Die Fernbedienung und auch die Räder bekam er trotz vor sich liegenden diversen Bedienungsanleitungen nicht hin. Meine Bemerkung, dass vielleicht nach 4 Jahren die Batterie den Dienst verweigert, lässt er unkommentiert. Der Clou ist, ich kann als Nutzerin die Batterien nicht selbst wechseln, da muss man immer einen Techniker bemühen. Das ist doch ungesund, oder?

Na, jedenfalls muss der Herr sich in der Zentrale mehrfach rückversichern bis er mir eine Lösung anbietet. Er nimmt meinen Rolli mit in die Werkstatt. das könne dann eine Woche dauern. Na schön, am Ende sind es dann fast zwei Wochen. Aber ich habe Geduld, etwas anderes bleibt mir nicht übrig.

Gestern nun bekam ich mein gutes Stück wieder, ich sehe sofort, dass die Fernbedienung neu ist, und nicht nur die, der Monteur ist auch ein ausgesprochen schmucker und, viel wichtiger, heller Vertreter seiner Zunft.

Er fragt mich nach den Einstellungen und ich bin perplex. Einstellungen? Du liebe Güte, was will der Mann von mir? Er ist genauso verwundert und fragt genauer nach, ob denn noch niemand die werkseitig vorgegebenen Einstellungen mit mir abgestimmt habe? Ich habe das Gefühl, dass sich riesengroße Fragezeichen auf meiner Stirn formen. Und plötzlich weiß ich, er ist der Erste, der Ahnung vom Fach hat.

Und was für Ahnung! Vor mir auf dem Boden knieend, mit dem magischen blauen „Zauber-Magnet-Schlüssel“ für die Programmierung der Fernbedienung und des E-motion-Rollis in der Hand, erklärt er mir in einer Seelenruhe, wovon er spricht.

Die Gänge sind verschieden einstellbar. Die Motorunterstützung ist von jetzt 20% auf 100% veränderbar  (Was ja total Sinn macht bei Myasthenikern wie ich eine bin), die Sensorik der Greifreifen ist unterschiedlich einstellbar, je nachdem, welche Seite des Rolli-Nutzers stärker beeinträchtigt ist. Das bedeutet, nach seiner Einstellung kann meine sehr schwache rechte Hand mit vielleicht 30% des Kraftaufwandes die gleiche Wirkung erzielen, wie die linke Hand, wenn sie den Greifreifen treibt. In mir macht sich neben der Begeisterung, was so in meinem Rolli die ganze Zeit geschlummert hat, leise Empörung breit, dass sich bis zu diesem Herren heute hier vor mir auf den Knien noch nicht ein Vertrteter die Mühe gemacht hat, das mit mir einzustellen. Und der Clou kommt noch, es gibt auch die Möglichkeit, die Nachlaufzeit des Motors zu verlängern, so dass ich nicht so oft die Hände fürs Greifen benötige.

Beseelt probiere ich das alles aus in meiner Stube, eine gute Freundin leistet mir dabei Gesellschaft. Beide schütteln wir den Kopf darüber, dass diese Einstellungen nicht durch uns Rolli-Fahrer selbst gemacht werden dürfen. Der Monteur stimmt mir zu, er würde den Schlüssel gern hier lassen, allein er darf es nicht.

Wieder einmal fühle ich mich sehr behindert, nicht aufgrund meines Handicaps, nein, weil andere mich in meiner Freiheit und meinen Entscheidungen einschränken. Ich habe eine e-motion-Rolli und keiner hilft und/oder unterstützt mich dabei, diesen meinen Gegebenheiten anzupassen. Man was für eine Riesensauerei! Ich habe mich fast 4 Jahre mit modernster Technik so gefühlt:

Der hätte es auch getan

Dabei habe ich den Mercedes der Rollstuhl-Technik unter meinem Hintern!

e-motion rolli

Wieso entmündigt man mich so, dass ich um alles betteln muss und nur Zufälle die Entlastung und einen Zugewinn an Lebensqualität bringen?

Ein Schelm, der Absicht und Gewinnsucht dahinter vermutet!

 

Quelle Bild e-motion-rolli:   http://www.rotec-leipzig.de

MTX – 3 Wochen

Was kann ich nun heute berichten?

Bis jetzt habe ich die Umstellung von Imurek auf MTX sehr gut verkraftet. Eigentlich ist „verkraftet“ eine glatte Untertreibung. Es geht mir gut. Ich werde immer mobiler und gelenkiger. Mich erfasst eine Leichtigkeit, die ich seit der Thymektomie im September 2008 nicht mehr verspürt habe. Die vielen schweren imaginären Zementsäcke, die mich förmlich nach unten gepresst haben, haben sich in Luft aufgelöst. Meine Atmung ist stabil und ich verfalle nur in Schnappatmung, wenn ich die Treppe zum wiederholten Mal bewältige.

Das ist der schöne Nebeneffekt: Ich bewege mich mehr und habe dann am Abend Muskelkater an Stellen, an denen ich nicht mehr wusste, dass ich Muskeln habe. Mein Gesicht wird wieder ausdruckfähig, ich kann Grimassen schneiden. Ist ein gutes Gefühl, auch den Bauch kann ich wieder selbst aktiv beeinflussen, kann ihn einziehen und beginnen, diese Muskelgruppen wieder anzusprechen und das bisschen Rest zu aktivieren.

Schwieriger wird es allein mit den Beinen. Die wollen nicht so, wie ich will. Also wird leicht trainiert. Von meiner tollen Physiotherapeutin bekam ich einen Pedaltrainer mit nach Hause. Ich habe einen Fahrradtrainer zu Hause. Aber da am Po kaum noch Muskeln sind, tut das Training auf einem Sattel ganz schön weh. Nun kann ich Beine und Arme damit vom Rolli aus wieder aufbauen.

Fahrradtrainer

Ich will nicht verschweigen, dass ich unter Nebenwirkungen des MTX leide.

Und zwar habe ich Juckreiz auf der Haut und mir ist flau im Magen. Zu verschiedenen Tageszeiten wird mir leicht schwindelig, aber immer nur kurzzeitig. Kopfschmerzen sind auch ab und zu da, vor allem in der Nacht. Aber die verschwinden, wenn ich eine Tasse Kaffee am Morgen trinke. Ich komme ohne Schmerzmittel aus.

Ein ganz positive Wirkung ist, dass ich die Einnahme von Kalymin halbiert habe.

Es geht aufwärts und ich freu mich drüber!

BildQuelle

Rolli-Handschuhe

Ich habe seit ein paar Wochen richtig gute Rolli-Handschuhe, die mir beim Rolli Fahren – besonders aber beim Bremsen – eine tolle Unterstützung sind und dabei auch noch voll stylisch aussehen.

Rolli-Handschuhe von der Fa. Mc David

 

Quelle: http://www.sport-onlineshop24.de

Sie sind an der Handinnenseite mit einer Art Gumminetz überzogen, auf der Handoberseite ist ein angenehmer Textilbezug. Sie kommen zweifarbig daher.

In der Kombination schwarz-rot, die Fingerkuppen bleiben offen. Total praktisch, wenn man gerade am Rollen ist und eventuell beim Einkaufen mal den Geldbeutel öffnen oder eventuell einen Zahlungsbeleg unterschreiben muss. Das Feingefühl bleibt und die Handschuhe muss ich deshalb nicht ausziehen.

Nun gut, im Winter im Freien sind sie nicht das Ideale, aber in Krankenhäusern, Kureinrichtungen, Einkaufszentren oder anderen geschlossenen oder überdachten Räumen haben diese sich für mich bewährt.

Erwähnen möchte ich, dass ich diese Handschuhe zu einem Preis um die 20 € (inkl. Versand) bekommen habe.

Ich möchte diese nicht mehr missen, weil diese Handschuhe mich gerade im 2. Gang meines E-Motion-Rollis sehr gut abbremsen, ohne dass ich die Bremskraft aus eigener Kraft aufbringen muss.

Probiert es aus! 🙂